[suryoyo-online] Ehemaliger Diözesanratsvorsitzender soll Überfall auf Erzbischof Aydin in Auftrag gegeben haben

Gabriel Rabo grabo at gwdg.de
Son Mar 13 15:42:41 CET 2011


Neue Westfälische. 11.03.2011

"Er hat richtig Angst vor Aslan K."

Ehemaliger Diözesanratsvorsitzender soll Überfall auf Erzbischof Aydin in
Auftrag gegeben haben

 

Warburg/Paderborn (JS). Dass es bei dem Überfall auf Erzbischof Mor Julius
Hanna Aydin am 15. April vergangenen Jahres wohl kaum um schnöden Mammon,
kristallisiert sich im Verlauf des Prozesses vor dem Paderborner
Schwurgericht immer mehr heraus. Seit Freitag dürfte für die Richter
feststehen, dass die drei Angeklagten im Auftrag des ehemaligen
Diözesanratsvorsitzenden der syrisch-orthodoxen Kirche Aslan K. unterwegs
waren. 


Schon seit Jahren schwelt nämlich zwischen dem 63-jährigen Wiesbadener und
Aydin ein handfester Streit, der seinen vorläufigen Höhepunkt in der
Exkommunizierung K.s fand. Im April vergangenen Jahres soll der Wiesbadener
dann den Auftrag erteilt haben, dem Erzbischof eine gründliche "Abreibung"
zu verpassen. 

Das jedenfalls wusste am Freitag ein Zellengenosse des Hauptangeklagten Fadi
M. zu berichten. Der 30-Jährige stützte damit die Aussage von Bischof Aydin,
der vor zwei Wochen seinen Wiesbadener Widersacher gleichfalls als
Drahtzieher der brutalen Tat bezichtigt hatte (die NW berichtete).
Allerdings sei nicht der Tod des Kirchenoberhauptes Zweck der Tat gewesen,
sondern man habe diesem "richtig Angst" machen wollen, so der Zeuge. 

Fadi M. habe sich ihm während der Untersuchungshaft anvertraut, hätte aber
eine erhellende Aussage vor Gericht trotz häufiger Ermahnungen abgelehnt.
"Er hat richtig Angst vor Aslan K." Schon allein der Name des 63-Jährigen
aus Wiesbaden ängstige Fadi M. sehr. 

Und das wohl aus gutem Grund. Schließlich habe ihm sein Zellengenosse
erzählt, dass Aslan K. einem Arzt in Wiesbaden Schläger auf den Hals gehetzt
habe, "um diesen loszuwerden", wusste der 30-Jährige zu berichten. Mit einem
ähnlichen Schicksal habe Aslan K. auch Fadi M. gedroht, um ihn so zu dem
Überfall auf den Erzbischof zu zwingen. "Wie ein Gott", gebare sich der
63-Jährige in der Wiesbadener Gemeinde. "Das ist eher eine Sekte als eine
religiöse orthodoxe Gemeinde", bilanzierte der Zeuge und betonte, dass es
Fadi M. auf keinen Fall ums Geld gegangen sei.

Warum er sich furchtlos an die Ermittler gewandt hatte, dafür nannte der
30-Jährige gleich zwei Motive. Er erhoffe sich für sein eigenes
Strafverfahren Vorteile, erklärte er frank und frei. Aber außerdem könne es
nicht sein, "dass drei Angeklagte bestraft werden und der vierte ungeschoren
davonkommt". 

Während Fadi M. der Aussage seines ehemaligen Zellengenossen mit sehr
ernster Miene lauschte, schauten seine beiden Mitangeklagten recht entspannt
in die Runde. Schließlich charakterisierte der Zeuge sie als Mittäter, die
über das Ausmaß der Tat letztlich nicht informiert gewesen seien, und
betonte, dass laut Fadi M. bei dem Überfall auf den Bischof kein einziger
Euro gefunden worden sei.
     
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