[suryoyo-online] Türkei bringt Mönche in Bedrängnis / Erzbischof Aydin hält Ex-Diözesanratsvorsitzenden Aslan K. für den Auftraggeber der Angeklagten / Lahdo Özkay zum Erzpriester geweiht.

Gabriel Rabo grabo at gwdg.de
Mit Mar 2 00:45:53 CET 2011


Autor: GERD HÖHLER | 28.02.2011
Die Frage der Religionsfreiheit gilt als Prüfstein für einen EU-Beitritt der
Türkei. Nun wurden erneut Landflächen des Klosters Mor Gabriel in Anatolien
enteignet. Das Kloster sieht sich in seiner Existenz bedroht.
Die Zukunft des christlichen Aramäer-Klosters Mor (Sankt) Gabriel in der
Südosttürkei wird immer ungewisser. Jetzt hat das Oberste Gericht in der
türkischen Hauptstadt Ankara große Landflächen, die seit Jahrhunderten im
Besitz des Klosters sind, der staatlichen Forstbehörde zugesprochen. Bereits
im Januar war das Kloster in einem anderen Verfahren dazu verurteilt worden,
Land an den türkischen Staat abzutreten.
Die Föderation der Aramäer in Deutschland spricht von "existenzbedrohenden
Enteignungen". Der seit Jahren laufende Streit um das Land des mehr als 1600
Jahre alten Klosters wirft ein Schlaglicht auf die mangelnde
Religionsfreiheit in der Türkei und gilt deshalb als Prüfstein für die
europäische Perspektive des Landes.
Nach dem ersten Urteil vom Januar, mit dem das Kloster 24,4 Hektar Land an
die Staatskasse verlor, ist der weitere Richterspruch bereits der zweite
schwere Rückschlag für das Kloster. Das Gericht sprach weitere 27,6 Hektar
Klosterland der Forstbehörde zu. Beweismittel wie Besitzurkunden aus der
ottomanischen Zeit und seit Gründung der türkischen Republik habe das
Gericht einfach beiseitegeschoben und nicht gewürdigt, sagt Rechtsanwalt
Daniyel Demir, der Bundesvorsitzende der Aramäer in Deutschland. Mit Sorge
blicke man nun einem weiteren Prozesstermin entgegen: Am 4. Mai soll sich
der Stiftungsvorsitzende des Klosters Mor Gabriel, Kuryakos Ergün, wegen
"Aneignung fremden Bodens" in einem Strafverfahren vor Gericht verantworten.
Das im Jahr 397 gegründete Mor Gabriel gehört zu den ältesten Klöstern der
Christenheit und ist eine von nur noch sechs übriggebliebenen christlichen
Abteien auf dem Tur Abdin, dem "Berg der Gottesknechte". Auf dem kargen
Hochland in der Südosttürkei nahe der syrischen Grenze gab es einmal mehr
als 80 christliche Klöster. Noch Anfang der 1970er Jahre lebten in der
Gegend 250 000 syrisch-orthodoxe Christen, die sich auch Aramäer nennen. Die
meisten wanderten seither aus nach Nordeuropa. Sie flohen vor zunehmenden
Übergriffen muslimischer Fanatiker, aber auch vor dem Kurdenkrieg, der hier
in den 90er Jahren wütete und vielen Menschen die Lebensgrundlage entzog. In
seiner Blütezeit beherbergte das Kloster etwa 2000 Mönche und Nonnen. Heute
sind es nur noch 17. In den letzten Jahren hat zwar eine Rückkehrbewegung
eingesetzt: Einige Dutzend aramäische Familien kehrten aus der Diaspora
zurück und siedelten sich wieder auf dem Tur Abdin an. Aber ihre
Kirchengemeinde ist, wie alle nicht-muslimischen Glaubensgemeinschaften in
der Türkei, praktisch rechtlos.
Seit Jahren sieht sich das Kloster Mor Gabriel Angriffen ausgesetzt. Mal
wurde den Mönchen gesetzwidrige Missionstätigkeit vorgeworfen. Dann hieß es,
das Kloster sei auf der Ruine einer Moschee erbaut worden - ein absurder
Vorwurf, denn bei der Gründung von Mor Gabriel gab es den Islam noch gar
nicht. Dann kamen die Enteignungsverfahren. Sie begannen 2008 anlässlich der
Aufstellung eines Landregisters in der Gegend. Drei kurdische
Nachbargemeinden meldeten Ansprüche auf Ländereien des Klosters an.
Unterstützt werden sie von örtlichen Politikern der islamisch-konservativen
Regierungspartei AKP. "Sie wollen alles - erst unser Land, dann unser
Kloster", sagt Bischof Timotheus Samuel Aktas. Verbandsfunktionär Demir
sieht eine "alarmierende Enteignungssystematik des türkischen Staates".
Anfang Februar äußerten die Repräsentanten der beiden großen christlichen
Kirchen in Deutschland, Erzbischof Robert Zollitsch als Vorsitzender der
katholischen Deutschen Bischofskonferenz und der EKD-Ratsvorsitzende Präses
Nikolaus Schneider "große Sorge über die zunehmende Bedrängnis der
Syrisch-Orthodoxen Kirche in der Türkei". Die CDU-Europaabgeordnete Renate
Sommer beklagt, "dass die türkische Regierung ganz offensichtlich versucht,
das Land von christlichem Einfluss zu reinigen".
Das Kloster will gegen die jüngsten Enteignungsbeschlüsse letzte
Rechtsmittel einlegen. Sollten auch diese keinen Erfolg haben, wollen die
Mönche von Mor Gabriel den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte
anrufen. Bereits mehrfach haben sich die Straßburger Richter mit den
missachteten Rechten von Christen in der Türkei beschäftigen müssen. Erst im
vergangenen Jahr verurteilten sie die Türkei, ein 1964 enteignetes
griechisch-orthodoxes Waisenhaus auf der Insel Büyükada an das Ökumenische
Patriarchat zurückzugeben.
Quelle: Südwest Presse
	* * *
	Pfarrer Lahdo Özkaya jetzt Dekan
	
	
<http://www.westfaelische-nachrichten.de/lokales/kreis_borken/gronau/?em_cnt
=1502895&em_src=690277&em_ref=/lokales/kreis_borken/gronau&em_ivw=lok-bor-gr
o&em_etracker=Nachrichten_aus_Gronau>  
	
	Bischof Mor Julius Dr. Hanna Aydin aus Warburg (l.) und weitere
Würdenträger der syrisch-orthodoxen Kirche nahmen die Weihe von Pfarrer
Lahdo Özkaya (vorn r. und kl. Bild) zum Dekan vor. Fotos: 
	(Klaus Wiedau)
	
	
	Gronau - Das Gotteshaus konnte die Menschenmassen nicht fassen -
viele mussten den feierlichen Moment vor der Leinwand im benachbarten
Gemeindezentrum erleben: In einer feierlichen Zeremonie wurde am Sonntag der
Pfarrer der Pfarrer der aramäischen Gemeinde Gronau, Lahdo Özkaya, zum Dekan
(Chorepiskopus) geweiht. Bischof Mor Julius Dr. Hanna Aydin aus Warburg, 15
Priester, Mönche und weitere Würdenträger der syrisch-orthodoxen Kirche
nahmen die Weihe Özkayas in einer mehrstündigen Feier vor.

	Zum Dekan wird ein Pfarrer - wie berichtet - nach einer langjährigen
Dienstzeit sowie für besondere Verdienste um die Kirche ernannt. Der Dekan
(Chorepiskopus) steht in der kirchlichen Hierarchie der syrisch-orthodoxen
Kirche von Antiochien über dem Pfarrer und hat unter anderem die Aufgabe,
den Bischof bei Abwesenheit in wichtigen Entscheidungen zu vertreten.
	
	Pfarrer Lahdo Özkaya wurde - Jahrgang 1937 - wurde 1968 in der
Provinzstadt Mardin zum Priester geweiht. 17 Jahre wirkte er als
Gemeindepfarrer von etwa 120 Familien in der Provinzstadt Adiyaman und
Umgebung, ehe er 1985 mit seiner neunköpfigen Familie nach Deutschland
übersiedelte, nachdem die Gemeinde in Adiyaman auf nur 17 Familien
geschrumpft war. Unter dem damaligen Erzbischof Mor Julius Jeshu Cicek
sollte er die kleine aufstrebende aramäische Gemeinde in Gronau - damals
rund 17 Familien - betreuen. In den nunmehr 26 Jahren seiner Dienstzeit als
Pfarrer ist die Gemeinde in Gronau, im Kreis Borken, in Steinfurt und
Nordhorn auf etwa 400 Familien angewachsen, die seelsorgerisch betreut
werden.
	
	Bedeutende Ereignisse in der Amtszeit von Pfarrer Lahdo Özkaya sind
die Errichtung der syrisch-orthodoxen Kirche Mor Jesaja an der Zollstraße,
der Bau des Gemeindesaals sowie des Jugend- und Kulturzentrums, das in Kürze
geweiht wird.
	
	Lahdo Özkaya dankte am Ende in einer kurzen Rede allen, die im
Vorfeld zu seiner Ernennung und am Tag der Weihe für den Ablauf des Festes
sorgten. Danach wurde im Gemeindesaal der besondere Tag dieser Auszeichnung
gefeiert.

Quelle: www.westfaelische-nachrichten.de

	* * *

 26.02.2011 / WARBURG/PADERBORN

"Ihr Ziel war der Tod"

Erzbischof Aydin hält Ex-Diözesanratsvorsitzenden Aslan K. für den
Auftraggeber der Angeklagten

  <http://www.nw-news.de/_em_daten/_nw/2011/02/25/110225_1925_wa2.jpg>
<http://www.nw-news.de/_em_daten/_nw/2011/02/25/110225_1925_wa2.jpg>  

Auf dem Weg zur Wahrheit | FOTO: M. KÖPPELMANN 

Warburg/Paderborn (JS). Sollten die drei Männer, die am 15. April
vergangenen Jahres Erzbischof Mor Julius Hanna Aydin überfielen und sich
nunmehr vor dem Paderborner Schwurgericht verantworten müssen, tatsächlich
dessen Tod im Sinn gehabt haben? Das Oberhaupt der syrisch-orthodoxen Kirche
ist davon jedenfalls felsenfest überzeugt. Die drei Männer seien "Gesandte",
sagte der 64-Jährige am Freitag in seiner Vernehmung vor dem Paderborner
Schwurgericht in der für ihn typischen blumigen Sprache. 

Als "gedungene Mörder" dürften das die anderen Prozessbeteiligten für sich
übersetzt haben. Schließlich bekundete der Bischof, der lebhaft den mit
Schlägen, Fesselung und Knebelung einhergegangenen Überfall schilderte,
ausdrücklich: "Ihr Ziel war der Tod." Dass die Angeklagten dabei auf eigene
Faust handelten, glaubt Erzbischof Julius nicht. Der ehemalige
Diözesanratsvorsitzende Aslan K. habe das Trio beauftragen lassen, ihn
"gegen Geld" zu töten, sagte er. Mehr als einmal habe ihn nämlich der
63-Jährige aus Wiesbadener bedroht - auch mit dem Tode. Schließlich habe es
einen "harten Streit" gegeben, in dessen Verlauf er Aslan K. sogar
exkommuniziert habe. 

Dass das Leben des Geistlichen tatsächlich in Gefahr war an diesem frühen
Aprilmorgen, bestätigte der Rechtsmediziner Dr. Bernd Karger. Das Klebeband,
das die Täter über die Nase und den Mund des Bischofs gezogen hatten, sei
durchaus geeignet gewesen "die Luftzufuhr zu beenden". "Das hätte zum Tode
führen können", so der Experte.

Ausführungen, denen Mor Julius Hanna Aydin gelassen lauschte. Empört
reagierte er allerdings, als er hörte, dass die drei Angeklagten unisono
bekundet hatten, keinerlei Geld gefunden, geschweige denn entwendet zu
haben. Sie sollten doch alles zugeben und bereuen, meinte er, stellte seine
Verzeihung in Aussicht und führte nochmals aus, dass sich in seinem Zimmer
37.000 Euro Spendengelder befunden hätten, die seit der Tat verschwunden
seien. 

Just das mag hingegen die Verteidigung nicht glauben. Der Bischof könne
seine Schulden nicht begleichen und behaupte von daher bestohlen worden zu
sein, vermuteten sie. 

Ob dem so ist, wird das Gericht im Verlauf des kommenden Monats zu klären
versuchen und auch, ob der am Dienstag festgenommene Aslan K. Spiritus
Rector der Tat ist. Dass es dabei nicht locker lassen wird, davon lieferte
es am Freitag einen eindrucksvollen Beweis. Der Vorsitzende Richter Bernd
Emminghaus ließ sich von einem Schwächeanfall im Beratungszimmer jedenfalls
nicht bremsen. Er startete mit vierstündiger Verspätung souverän die
Befragung des Bischofs. OWL

www.nw-news.de